
Für den Hüller Bach: Arbeiten starten an der Hofstraße
Bodenfilter sorgt für bessere Wasserqualität
Die Wasserqualität im Hüller Bach, nahe der Grenze zu Gelsenkirchen, soll besser werden: Deshalb baut die Emschergenossenschaft (EG) an der Hofstraße einen sogenannten Retentionsbodenfilter. Direkt neben dem Pumpwerk wird eine rund 3.700 Quadratmeter große Filterfläche genutzt. Der Bau soll bis Mitte April starten. In einem Jahr sind die Arbeiten soweit abgeschlossen, dass anschließend für ein weiteres Jahr die Anwachsphase läuft. Mitte 2027 soll der neue Filter dann in Betrieb genommen werden.
Die Emschergenossenschaft investiert an dieser Stelle rund 3,1 Millionen Euro, teile der Vorstandsvorsitzende Prof. Uli Paetzel am Dienstag (18.3.2025) beim Pressetermin mit. Das Ganze soll später wie ein Biotop aussehen und so funktionieren: Ein Retentionsfilter, man kann ihn auch als natürliche Kläranlage bezeichnen, dient der Klärung von Regenmengen, die aus einem unterirdischen Stauraumkanal (seit 2021 in Betrieb) am Hüller Bach abgeschlagen werden. Bei Starkregenereignissen, wie sie immer häufiger vorkommen, ist dieser Kanal schnell randvoll. Dort wird das ankommende Mischwasser, welches aus Schmutz- und Regenwasser besteht, zunächst aufgestaut.
Die Feststoffe setzen sich ab und sinken zu Boden
Anschließend setzen sich die sogenannten Sedimente ab, also Gesteine und Feststoffe, die vorher nicht entfernt werden konnten. Aufgrund ihrer höheren Dichte als Wasser sinken sie zu Boden und werden zur Kläranlage transportiert. Im oberen Teil sammelt sich dann von Feststoffen befreites Wasser, dieses wird in den Filter geleitet.
Im Retentionsbodenfilter angekommen, wird das stark verdünnte Wasser mit Hilfe einer Schilfbepflanzung, die wie üblich wohl mindestens anderthalb Meter hoch sein wird, durch eine weitere Filterschickt geklärt, bevor es in einem qualitativ hohen Zustand in den Hüller Bach fließt. Die Filterschicht besteht unter anderem aus Feinsand, Mittelsand, Grobsand und Feinkies.
Fischpopulation im Hüller Bach denkbar
„Der Reinigungsprozess bewirkt einen fast vollständigen Rückhalt grober und feiner Partikel sowie an ihnen gebundener Stoffe“, betont Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik bei der EG. Somit könnte in Zukunft beispielweise in einem sauberen Hüller Bach auch wieder eine Fischpopulation entstehen.

Eine solche Anlage ist bereits im Gebiet zwischen Gladbeck und Bottrop im Einsatz, außerdem wird gerade am Anfang des Hüller Bachs, im Grenzgebiet zwischen Bochum und Herne, ebenfalls ein solcher Filter gebaut. Zwei weitere, eine in Castrop-Rauxel und eine in Dortmund, folgen in Kürze, schildert Obenaus im Gespräch mit halloherne.
Wasser ist auch ein Risikofaktor geworden
Für Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, seines Zeichens auch Vorsitzender des Genossenschaftsrates bei der EG, hat das Areal an der Hofstraße in unmittelbarer Nähe zum Hüller Bach, übrigens das längste Nebengewässer der Emscher, eine besondere Bedeutung. „Wir können hier mit Wasser Stadtentwicklung betreiben. 2021 wurden wir durch das Hochwasser sensibilisiert, sodass Wasser eben nicht nur ein positives Element ist, sondern auch ein Risikofaktor sein kann“, sagte Dudda. „Wir haben hier viele Chancen, aber die Qualität muss stimmen. Deshalb ist es sinnvoll, über drei Millionen Euro in die Qualität zu investieren.“
„Die einst tristgrauen „Köttelbecken“ weichen nun nach und nach blaugrünen Erlebensräumen“, sagt Uli Paetzel. Die durch den neuen Retentionsbodenfilter künftig verbesserte Gewässerökologie im Hüller Bach wird zudem nicht nur Mehrwerte für Flora und Fauna haben, sondern auch für den Menschen. Durch die Vermeidung von Geruchsemmissionen verbessert sich die Aufenthaltsqualität entlang des Hüller Bachs erheblich.
Das Schilf wird in kleinen Setzlingen angepflanzt, braucht deshalb auch rund ein Jahr, um dann wie ein Biotop auszusehen, schildert Jens Lukas, zuständiger Projektleiter der EG, und fügt an: „Wir bewässern das Schilf während dieser Zeit aber nur mit sauberem Wasser.“ Den Hüller Bach wird es auf lange Sicht freuen.
