
'Für Euch'-Stiftung ermöglicht das Projekt an der Galileo-Grundschule
Finanzspritze unterstützt 'Lernen neu denken'
Gute Nachrichten für das Projekt „Lernen neu denken“: Dank einer finanziellen Unterstützung ist das außerschulische Lernprojekt an der Galileo-Grundschule für das Schuljahr 2024/25 gesichert. Der Clou: Das Geld kommt von der „Für Euch“-Stiftung der Eheleute Alice und Dr. Ludger Kleyboldt. Kleyboldt, Geschäftsführer des NWB-Verlags, ging früher selbst zu der Schule, als diese noch Grundschule an der Schulstraße hieß – das war auch ausschlaggebend für das Engagement.
An der Galileo-Grundschule profitieren nun die Drittklässler von den 20.000 Euro, die die Stiftung zur Verfügung stellt. Das Projekt ist eine Initiative der Vereine Ruhrwerk, „Lernen! in Herne“ und der Gesellschaft für freie Sozialarbeit (GfS).
Drei Schulen mittlerweile beteiligt
Mit der Galileo-Grundschule, die nach einer umfangreichen Sanierung Ende November 2023 übergeben wurde (halloherne berichtete), sitzt damit die dritte Grundschule mit im Boot. Begonnen hat es 2023 an der Max-Wiethoff-Schule in Sodingen, ausgeweitet wurde es auf die Grundschule Kunterbunt an der Neustraße (halloherne berichtete).

Darum geht es: Nach einer Idee einer Grundschule aus der Dortmunder Nordstadt, sieht das Konzept vor, dass die dritten Klassen einmal pro Woche geteilt werden. Eine Hälfte bleibt in der Schule und erhält intensive individuelle Förderungen - durch kleinere Klassengrößen ist das dann besser möglich. Die andere Hälfte besucht außerschulische Lernorte. Hier sollen die Schüler ihr Wissen durch praktische Erfahrungen vertiefen. Insgesamt sollen die Fähigkeiten im sozialen Bereich gestärkt werden.
Naturpädagogik und Lernen in der Küche
Für die Herner Schulen gibt es zwei Themenblöcke. Zum einen Naturpädagogik im Revierpark Gysenberg. Hier setzen sich unter Anleitung einer Waldpädagogin und zwei Teamern, häufig Studenten für Lehramt oder soziale Arbeit, die Kinder mit Naturkunde auseinander. Der zweite Block heißt „Alltagslernen in der Küche“. Dort lernen sie mit einer Köchin und zwei Teamern, wie man auf dem Wochenmarkt einkaufen und das Gemüse anschließend zu leckeren Gerichten verarbeiten und kochen kann.
Die Reaktionen der Kinder sind durchweg positiv, berichten die Verantwortlichen. „Die Selbstwirksamkeit und die Selbstständigkeit werden gefördert, zudem lernen die Kinder einfacher im Projekt, als beispielsweise nur mit einem Arbeitsblatt“, berichtet Schulleiterin Sonja Mersch. Sneha Mathew, eine der Klassenlehrerinnen, ergänzt: „Die Kinder nehmen viel daraus mit. Durch das Projekt kommen sie in Bereiche, die sie von ihren Familien gar nicht kennen.“ So käme es schon vor, dass die Schüler erzählen, sie wären noch nie in einem Wald gewesen.
Gut gekochtes Gemüse kann doch schmecken
Ihre Kollegin Rosann Leipski berichtet von Kindern, die sehr erfreut im Gysenberg Wald-Memory mit Blättern, Ästen und anderen Dingen spielen. Julia Nacke, ebenfalls Klassenlehrerin und stellvertretende Schulleiterin, schildert: „Die Schüler fragen schon immer: Wann sind wir wieder dran? Viele haben nie zuvor Kartoffeln geschält oder Gemüse geschnitten und sind nachher ganz erstaunt, wie gut Gemüse schmecken kann.“

Diese Erzählungen freuen Ludger Kleyboldt ganz besonders. „Wir haben die Stiftung gegründet, um Kinder und Jugendliche begleiten zu können - durch die Corona-Pandemie ist das aber alles schwieriger geworden. Durch ein Gespräch mit Cordula Klinger-Bischof vom Verein Ruhrwerk bin ich auf dieses Projekt aufmerksam geworden und dann haben wir uns entschieden, hier mitzuhelfen“, sagt der Chef des NWB-Verlags. „Ich freue mich, dass es im Projekt so toll läuft. So kann man Kinder in ganz jungen Jahren aktivieren und begleiten.“
Integration voranbringen
Für Cordula Klinger-Bischof, die Vorsitzende von Ruhrwerk, hilft „Lernen neu denken“ dabei, bei Kindern aus bildungsfernen Familien, die zudem auch noch schlecht Deutsch sprechen, Integration vorzubringen. Ihr Verein stattet die Klassen zudem mit Gummistiefeln, Matschhosen, Regenjacken und Bollerwagen aus, damit sie bei Wind und Wetter - außer Gewitter und Co. - in den Wald losziehen können.
Für Dietmar Jäkel von „Lernen! In Herne“ ist das Projekt eine „Erziehung der Sinne“, welches dabei unterstützt, andere Orte außerhalb der Schule kennenzulernen. Frank Köhler (GfS) fügt an: „Wir sorgen dafür, dass die Honorarkräfte mit dabei sind. Das ist aber aufwändiger als gedacht und deshalb wechseln die Teamer auch immer mal wieder. Dennoch freuen wir uns auch immer, wenn durch private finanzielle Hilfen Planungssicherheit entsteht. Der Staat zieht sich hier leider zunehmend zurück, das ist eine gefährliche Tendenz.“
Für das aktuelle Schuljahr besteht also erstmal - für alle drei beteiligten Schulen - die Planungssicherheit. Die Verantwortlichen erhoffen sich weitere Unterstützung. Denn sonst müssen sie bald einem Kind, welches in die dritte Klasse kommt und schon sehnsüchtig auf Waldspaziergänge und Kochkurse wartet, sagen: „Das Projekt musste leider eingestellt werden, weil kein Geld da ist.“ Diesen Satz möchten alle verhindern.