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Das Hallenbad Eickel: SPD und CDU fordern mit einer Ratsvorlage einen Beschluss zum Abriss und Neubau. Die Bürgerinitiative wehrt sich dagegen.

Argumente für Neubau geliefert, Bürgerinitiative wehrt sich schriftlich

Hallenbad: 'GroKo' erläutert die Entscheidung

Nachdem am Dienstagnachmittag (25.2.2025) die Vorlage zum Beschluss für die nächste Ratssitzung am Dienstag, 11. März 2025, öffentlich wurde (halloherne berichtete), hielten die SPD- und CDU-Fraktion am Mittwochnachmittag (26.2.2025) ihre geplante Pressekonferenz zum Thema Neubau des Hallenbads Eickel ab. Die Entscheidung pro Neubau und contra Sanierung, die die Bürgerinitiative (BI) befürwortet und mit niedrigeren Errichtungskosten begründet, sollte erläutert werden. Bereits am Dienstagabend (25.2.2025) meldete sich die BI schriftlich zu Wort.

„Wir sind im Januar 2023 gestartet, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Ergebnisse wurden durch Gutachter geliefert, dabei gab es für die Bau- und Sanierungskosten keine klare Entscheidung für eine Seite“, sagte SPD-Fraktionschef Udo Sobieski. „Dennoch sind wir, auch durch weitere ermittelte Zahlen, der Auffassung, dass ein Neubau nach relativ kurzer Betriebszeit mathematisch und finanztechnisch die beste Lösung ist.“ Herne sei finanziell nicht auf Rosen gebettet, daher seien die zehn Millionen Euro, die nach 30 Jahren bei einem Neubau eingespart werden würden, die bessere Lösung.

Bei der CDU hat ein Umdenken stattgefunden

Schließlich ginge es auch darum, nach über zwei Jahren endlich eine Lösung zu finden und zu beschließen, um neue Schwimmflächen zu errichten. Das sieht auch der Herner CDU-Parteivorsitzende und Fraktionschef Christoph Bußmann so. Allerdings lauteten die ursprünglich favorisierten Pläne der Christdemokraten anders. „Zu Beginn der Überlegungen war ein Neubau des Hallenbads gar kein Thema“, schildert Bußmann. Auch Bettina Szelag, stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende, betont dies. Doch durch die BI, deren Bürgerbegehren und Kampf für Schwimmflächen habe ein Umdenken stattgefunden.

Ein Blick in das alte und marode Hallenbad Eickel.

Innerhalb der CDU-Fraktion habe es einen einstimmigen Beschluss für einen Neubau gegeben, ausschlaggebend sei die prognostizierte Berechnung der Betriebskosten nach 30 Jahren gewesen. Diese sollen nach dieser Zeitspanne bei rund 63 Millionen Euro, inklusive der Baukosten, liegen. Diese Zahlen stehen im Gutachten der beauftragten Firma Prova, welches der halloherne-Redaktion vorliegt. „Wir sind ergebnisoffen in den Prozess gegangen, die Gutachter wurden gemeinschaftlich ausgesucht. Nun ist die wirtschaftliche Lage langfristig eindeutig“, findet Szelag.

Alte Lehrschwimmbecken benötigen immer wieder Reparaturen

Mit der BI habe man aus Sicht der CDU konstruktiv und demokratisch zusammen gearbeitet, zudem wären Fragen in der Sitzung der Arbeitsgruppe am Montag (24.2.2025) abgearbeitet worden. „Klar ist, dass wir einige Lehrschwimmbecken haben, die immer wieder Reparaturen brauchen, das geht nicht auf Dauer gut“, erläutert die stellvertretende Chefin. „Insofern kann man sagen: Bei einem Neubau haben alle gewonnen.“ Sie sei der BI sogar dankbar, weil ohne die Sanierungs-Befürworter wohl nur Wohn- und Geschäftsflächen entstanden wären.

Sobieski spricht ebenfalls von einem langen, aber zielführenden Diskurs mit der BI, man habe sehr gut zusammen gearbeitet. „Wir nehmen deren Arbeit, als auch die Unterschriften sehr ernst und wollen deshalb anregen, dass einige alte Elemente bautechnisch wiederverwendet werden.“ Welche das sein können, sollen aber Experten entscheiden. Zudem könnte es Probleme geben, beispielsweise einen Sprungturm mit drei Metern Höhe ins neue Bad zu integrieren. Dieser wäre für den künftigen Nutzerkreis, bestehend aus dem Schul- und Vereinssport, jedoch sicherlich hilfreich. „Wir versuchen es“, gibt Bettina Szelag an.

Zwei Becken schließen auf längere Sicht

Ihr Parteikollege Bußmann sieht eine große Chance, als Kommune mit einem Haushaltssicherungskonzept ein neues Hallenbad zu bekommen - das würden andere Kommunen nicht schaffen. Das liegt auch daran, weil vor allem der Arnsberger Regierungspräsident sein „Ok“ geben muss. Damit das geschieht, wenn der Beschluss im Rat eine Mehrheit erhält, müssen aber auch zwei Lehrschwimmbecken auf Dauer weichen: Das an der ehemaligen Görresschule und das an der Hans-Tilkowski-Schule. Die Verantwortlichen betonen: Es fallen keine Schwimmzeiten weg, mit einem Neubau gibt es sogar mehr.

Für Sobieski wäre ein positiver Ratsbeschluss eine zukunftsfähige Entscheidung. Man müsse dann aber wohl von mindestens zwei Jahren ausgehen, die ein Abriss und ein Abbau in Anspruch nehmen würden.

Seit 2016 ist das Hallenbad Eickel dicht und hat keine Betriebserlaubnis mehr.

Stichwort Ratsbeschluss: Dagegen könnte die BI erneut ein Bürgerbegehren starten. SPD-Fraktionschef Sobieski möchte die Frage, ob er davon ausgeht, nicht beantworten. Aber er sagt: „Ich würde es nicht verstehen.“ Für Christoph Bußmann wäre es ein demokratisches Mittel, aber er denkt, man habe mit einem Neubau eine vernünftige Lösung gefunden.

Das sagt die Bürgerinitiative

Und was sagt die BI? In der Stellungnahme sieht sie weiterhin einen Vertragsbruch zwischen der „GroKo“ und ihnen. „Politik und Verwaltung lehnen die Akquise von Fördermitteln trotz Absprachen ab“, heißt es da. Sobieski versichert: Man habe sowohl von „Prova“ als auch der Verwaltung mitgeteilt bekommen, dass keine Fördermittel möglich seien.

Zudem werden die Initiatoren um Horst Schröder und Jürgen Köhne der Verwaltung „nachweislich falsche Zahlen beim Ergebnis der Machbarkeitsstudie“ vor. Außerdem habe der Politik der Wille gefehlt, gegen die Aussagen der Stadt anzugehen. Vorwürfe sind auch gegen Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda gerichtet: Dieser bevorzuge einen Abriss und habe „Nein“ zu möglichen Fördermitteln und Co. gesagt. Sobieski wollte als SPD-Mitglied, also der Partei, der auch Dudda angehört, diese Vorwürfe nicht kommentieren.

Wie es weitergeht, wird sich dann erst bei der Ratssitzung oder spätestens danach zeigen - Abriss und Neubau oder doch Bürgerbegehren und alles wieder auf Anfang? Man darf gespannt sein, aber die Zeit für neue Schwimmflächen rennt davon.

Donnerstag, 27. Februar 2025 | Autor: Marcel Gruteser